Hilfe, ich werde Papa

Hilfe ich werde Papa

Schon früh war für mich klar, dass ich später einmal eine Familie gründen wollte. Doch dieses Ziel war lange Zeit nur sehr abstrakt und wenig konkret in der Umsetzung. Mein Plan war, dafür zu sorgen, dass die in meinen Augen geeigneten Umstände wie finanzielle Sicherheit sowie eine glückliche und erfüllte Partnerschaft, am besten mit Trauschein gegeben waren. Darüber hinaus wollte ich auch reif genug sein für diese Aufgabe. Nun war es also soweit, ich sollte Vater werden.

 

Schockstarre – oder wenn Gefühle Achterbahn fahren

Wir alle kennen dieses Gefühl, wenn Unmengen an Aufgaben erledigt werden müssen, aber kaum Zeit dafür ist. Man fängt von blindem Aktionismus getrieben jede Aufgabe an, aber bringt keine zu Ende. So war es jetzt mit meinen Gefühlen. Unglaublicher Stolz, der mir die Tränen in die Augen trieb, Dankbarkeit und ein überwältigendes Gefühl der Liebe und Fürsorge für meine Frau und dann wieder die Angst, zu versagen. Das Ganze wollte erst einmal gemeinsam mit der werdenden Mutter verarbeitet werden. Denn nicht nur mich selbst trieben Ängste und Sorgen, sondern auch SIE. Ich dachte mir „Hilfe, ich werde Papa!“. Mir wurde bewusst, dass ich nicht nur der Vater eines Kindes, sondern Familienvater wurde.

 

Ich werde Vater – persönliche Inventur

Hilfe, ich werde Vater – nachdem sich das Gefühlschaos halbwegs kontrollieren ließ, machte ich mich daran, unsere Situation zu analysieren. Es würden Veränderungen auf uns zukommen. Neben all den organisatorischen Dingen wie Schwangerschaftsbegleitung, Kinderzimmer einrichten, Babysachen kaufen galt es, sich innerlich auf die wohl größte Aufgabe meines Lebens einzustellen. Wie würde ich unser Kind erziehen? Wie war ich selbst als Kind? Welche Fehler galt es in diesem Zusammenhang zu vermeiden? Welche Fehler hat mein Vater meiner Meinung nach in meiner Erziehung gemacht, den ich auf gar keinen Fall selbst machen wollte? Dann dachte ich über mich selbst nach. Mein Selbstbild war im Großen und Ganzen in Ordnung. Ich war mir meiner Stärken und Schwächen bewusst. Auch wenn sowohl mein Vater, wie auch meine Mutter nicht frei von Fehlern waren, so haben sie es immerhin geschafft mich zu einem verantwortungsbewussten Menschen mit moralischen Werten zu erziehen. Das gab mir Mut. Ich beschloss, diese Erziehung gespickt mit eigenen Idealen dankbar weiterzugeben.

 

Veränderung der sozialen Beziehungen

Ein Kind verändert auch das Privatleben. Die Freizeitgestaltung als Familienvater muss um das Kind herum gestaltet werden. Das wiederum hat zur Folge, dass einige Kontakte nicht mehr so eng gepflegt werden können, wie man das gewohnt war. Andere Kontakte, zum Beispiel zu Freunden oder Geschwistern, die bereits Kinder haben, werden dagegen intensiviert. Es findet ein Austausch statt. Man lernt voneinander. Man erkennt, dass man mit seinen Sorgen und Ängsten nicht alleine als Familienpapa da steht. Das Gefühl der Isolation weicht dem Gemeinschaftsgefühl zwischen Menschen in der gleichen Lebenssituation. Ich werde Papa – und zwar so richtig!

 

Im neuen Leben angekommen

Es gibt nicht die perfekte Lebenssituation für ein Kind. Man glaubt immer, man sei nicht genügend vorbereitet. Da mir das Leben aber dieses einzigartige Geschenk gemacht hat, nehme ich es dankbar an und gebe mein Bestes als Familienpapa! Genau wie mein Vater habe auch ich Fehler und werde Fehler machen. Aber ich weiß, dass ich wie mein Vater eine Menge an Liebe und Geborgenheit geben kann und werde. Das zumindest ist mein festes Ziel!

Werdende Mütter haben übrigens die gleichen Gedanken, so sind wir doch alles „nur Menschen“. „Hilfe, ich werde Mama„; „Hilfe, ich werde Papa“, sind nur Gedankenspiele. Werdende Eltern erlernen den Umgang mit der neuen Situation meistens schneller als sie vorab denken. Nur die Zweisamkeit mit dem Partner sollte dabei nie aus den Augen verloren werden.

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