Jugendkulturen und Jugendszenen heute

Jugendkulturen und Jugendszenen heute in Deutschland
Jugendkulturen und Jugendszenen heute in Deutschland

Jugendkultur: Selbstfindung in der Touchscreengeneration – wie reflektiert die heranwachsende Generation die gesellschaftliche Entwicklung der Globalisierung? Und können wir aus den einzelnen Strömungen etwas lernen? Quo Vadis Homo Mobilisiens? Jugendkulturen und Jugendszenen heute…

Bis auf wenige Ausnahmen beziehen wir unser Wissen über Jugendkultur aus den Medien, ob nun Mainstream oder Internet mit seinen unterschiedlichsten Quellen.

EMO – PUNK – COSPLAY – GOTHIC – TECHNO – HIP HOP – JESUS FREAKS – METAL – LARP!

Klaus Farin, der Szenekenner aus Berlin verrät in einem Spiegel Online Interview, das sieben von zehn Jugendlichen sich an einer Jugendkultur orientieren. Denn Sozialisation, das Finden der eigenen Identität in Gruppen, denen man sich verbunden fühlt, ist ein ureigenstes menschliches Bedürfnis.

 

Jugendbewegungen und Jugendgruppen

Schon vor hundert Jahren gründeten sich erste Jugendbewegungen. Unter den aufkeimenden Jugendgruppen, die nach dem traumatischen 1. Weltkrieg endlich wieder Lebensfreude empfinden wollten, gehörten die Wandervögel, Neuwandervögel, der CVJM und die Pfadfinder zum Beispiel. Gustav Nagel, vegetarischer Wanderprediger gruppierte Scharen Jugendlicher um sich zur Verkündung des Urchristentums. Auch gab es Messiasähnliche Heilsverkünder, wie Friedrich Muck-Lamberti, der als Inflationsheiliger besonders Frauen in seinen Bann zog. So gab es also die Sehnsucht nach neuen Lebensformen und Modellen bis man im Erwachsenenleben angekommen ist, schon damals.

 

Emo

Die EMO Strömung zelebriert Gefühle bei chilligem Wasserpfeife rauchen und dem Wahrnehmen der Emotionen der Gruppe. Einen hohen Stellenwert hat die Freundschaft bei den EMO‘s. Ihr Ursprung liegt in den 90ern und gründete sich als EMO CORE, einer Abspaltung von HardCore. Eine der EMO Bands ist „Fugazii“, die vom Scheitern und Niederlagen sangen. Äußerlich erkennt man die EMO‘s an der häufig schwarzen, düsteren Kleidung; aber auch Elemente der Mangakultur (siehe Wikipedia „Stilelemente von Manga und Anime“) und Karomuster sowie Kirschen aus dem Rockabilly, Pony, Pearcings und jede Menge Buttons. Von der Dauermelancholie fühlen sich die 13- bis 20-Jährigen angezogen, um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, wobei die Musik immer mehr in den Hintergrund tritt.

 

Punk

PUNK – dazu gehört die Berliner PUNK-Frauen-Band die „Stattmatratzen“, die sich über die Musik ausdrücken und ihre kritische Lebenshaltung durch ihre Songs zum Ausdruck bringen. Sie prangern die Überflussgesellschaft an. Politisch links, laut, provokant mit schrillen Outfits – so definieren sich PUNKs. Entstanden im England der 70er Jahre mit bekanntester PUNK-Band, den „Sex Pistols“, versteht sich PUNK heute als FUN PUNK siehe „Die toten Hosen“, POP-PUNK und Anarcho-PUNK, die an den Springerstiefeln, Ketten, Hundehalsbändern, Schlössern und Nieten zu erkennen sind. Die sogenannten Räubertage, welche bei Dresden stattfanden, ließen die gemäßigten und gewandelten PUNKs zusammen finden – bei vegetarischer Kost und friedensstiftenden, sozialen Ideen gegen den Kommerz (den Anwohnern war die Musik jedoch zu laut).

 

Cosplay

COSPLAY, die Puppen aus der Spielzeugkiste der Jugendkulturen. Hauptanliegen ist Verkleiden ohne tiefere Gedankengänge zwischen 16 und 23 Jahren. Costum Player basteln gern ihre Kostüme und kamen aus Japan nach Deutschland. Mangaconventions sind die jährlichen Höhepunkte der COSPLAY Szene. Es sind wohl die Designer unter den jugendlichen Strömungen. Handwerkliche Anerkennung ist wichtig und etwas schauspielerisches Können um seinen individuellen Style zu präsentieren. Politisch total unauffällig da eben der Spaß und die Leidenschaft zum Schneidern im Vordergrund stehen. Gesellschaftlich also vollkommen unbedenklich.

 

Gothic

Dagegen dominieren in der GOTHIC-Szene Musik und Ästhetik. Ursprünglich aus der PUNK-Bewegung kommend setzt GOTHIC auf Musikbands wie „Jesus of Extesy“. Inzwischen gibt es verschiedene Richtungen wie Industrial- und Cyber-Gothic, Steampunk, Gothic Fiction und Gothic Rock. „The Cure“ und „Siouxsie and the Banshees“ wurden als erste Gothic Bands in den 80er Jahren bekannt. Alljährlich wird Leipzig zu Pfingsten von 20.000 Gothic-Fans aufgemischt und taucht dann die Stadt in Schwarz. Die Ästhetik des Vergänglichen wird von vielen Gothics in Ruinen und auf Friedhöfen zelebriert. Auch in dieser Jugendszene dominiert die Melancholie durch die Todesnähe das Lebensgefühl der Jugendkultur.

 

Techno

Die TECHNO-Szene ist vor allem das Auflegen der DJ‘s. Spaß, gerettet aus den 90ern, als friedliche Bewegung. Die Love-Parade ist seit 1999 Ausdruck von TECHNO. Ein Marathon der Partylaune. „Alternate“ wieder eine Britische Band war modischer Vorreiter. Aktuell begeistert der „Sound of Rhein-Main“ die TECHNO-Fans und lässt sie nonstop abtanzen. „Reboot“ ein bekannter DJ vom Frankfurter Szeneladen schwärmt von House Music und produziert unzählige Loops selbst und mastert seine Stücke, die dann sämtliche Instrumente simulieren. Er beschreibt sie mit warm und heiter.

 

Hip Hop

HIP HOP, der Rap und Sprechgesang der Straße, die Sprache des Prekariats. Fard ist der aufstrebende Stern am HIP HOP Himmel, Rap, Graffiti, Break Dance aus der New Yorker Bronx kommend, hat sich HIP HOP inzwischen in allen gesellschaftlichen Schichten etablieren können. Bei Freestyle Battle kämpfen die Gegner mit Worten gegeneinander. Gesellschaftskritisch und progressiv versteht sich HIP HOP als unangepasste und innovative Problemlösungsszene. HIP HOP ist als Jugendkultur eben auch Graffiti, die Kunst des Sprayens, welche umweht vom Hauch des Verbotenen, den Sprayer einen „Kick“ versetzt, wenn er in Aktion tritt. Weite Kleidung und sogenannte Snapbacks gehören häufig zur optischen Ausstattung der Szene. In Städten wie Chemnitz – aber auch vielen anderen – werden den Sprayern seit 2010 legale Flächen zur Verfügung gestellt. So wird dem Graffiti zur Kunstrichtung verholfen.

 

Jesus Freaks

Am Puls der Zeit verbreiten die JESUS FREAKS die ewig neue und alte biblische Botschaft, bei der Liebe im Vordergrund steht. Gottes Sohn zu folgen und gegen die Sünde zu singen – in gemütlichen Räumlichkeiten bei Speis und Trank, ist das Anliegen der JESUS FREAKS. Ohne festen Style sind das Alpha und das Omega ihre Erkennungszeichen. Das Buch der JESUS FREAKS ist die sogenannte VOLX Bibel.

 

Metal

Auch METAL setzt auf Musik, auspowern mit „vibrierender Hose“. Freundschaft unter Männern (natürlich auch Frauen). Gegen die Vorurteile der Gewalttätigkeit kämpfend, wollen auch sie Anerkennung. Lange Haare, dunkle Kleidung und den Hang zur nordgermanischen Geschichte. Im Taunus gibt es ein kleines Mekka der Metal-Fans, die „Moshpit“ Metalkneipe mit „Metal-Karaoke“. Wer ganz viel Metal braucht, muss alljährlich nach Wacken fahren. Einfach laut. Aber eindrucksvoll (und nach Geschmack schön).

 

LARP

Die Lust auf Geschichte erkennt man in der LARP (Live Action Role Playing) Bewegung. Keltische Krieger kämpfen mit Schaumstoffwaffen gegeneinander. Auch hier wird viel gebastelt und geschneidert. Mehrere 1000 Cons gibt es in Deutschland. NSC‘s, die Statisten, werden bei den Theaterspielen ohne Zuschauer eingesetzt. Bei Met und Pseudomittelalterlichem Deutsch wird Authentizität und Liebe zum Detail groß geschrieben.

 

Darüber hinaus gibt es noch weitere Jugendkulturen, welche jedoch weniger stark verbreitet sind. Im Zuge der Globalisierung rücken immer wieder neue Jugendszenen in unseren Kulturraum, während andere – wie die klassischen Hippies – verschwinden. Häufig kommt es jedoch zu einer Vermischung von Subkulturen und vergangene Gedanken bestimmter Szenen gehen auf neue Generationen über. Gerade während der Pubertät ist Jugendlichen ihr Freiraum wichtig, auch um ihnen die Identitätsfindung zu ermöglichen. Was für manchen Erwachsenen „schräg“ aussehen mag, gehört einfach in unser liberales und modernes Weltbild.

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© Fabio Formaggio oneinchpunch/123RF

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