Kinderarmut in Deutschland

Kinderarmut in Deutschland - Statistik, Zahlen und Fakten
Kinderarmut in Deutschland

Ein Kind benötigt neben der elterlichen Nähe auch viel Geld. Was etwas platt klingt, ist die Wahrheit. Ein Kind kostet bis zur Volljährigkeit rund 120 000 Euro. Doch viele Eltern können dieses Geld nicht mehr aufwenden. Rund 1,6 Millionen Kinder sind laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit in Deutschland „arm“, man spricht dabei von „Kinderarmut“. In Deutschland ist diese natürlich weitaus weniger ausgeprägt als in vielen anderen Ländern der Welt. Doch die Zahlen und Fakten zeigen auch auf, dass die Armut immer weiter zunimmt. Die Zahlen anderer Statistiken sprechen von 2,45 Millionen Kindern, die deutschlandweit von Armut zumindest ernsthaft bedroht sind.

 

Kinder erleben nichts so scharf und bitter wie Ungerechtigkeit.
Charles Dickens

 

Keine neue Kleidung, kein eigenes Zimmer, kein Kindergeburtstag

Viele der Eltern in Armut leben mit Hartz IV. Doch das Kindergeld ist laut Antrag (zum Kindergeldantrag) ein festes Einkommen, welches auch als Einkommen angerechnet wird. Somit verringert sich dementsprechend der Hartz IV Satz und das Kindergeld fällt ersatzlos weg. Die Folge für die Familien in Deutschland ist, dass es den Eltern an allem fehlt. Kleidung kommt oft nur aus Second-Hand Läden und schulische Ausgaben müssen sorgfältig geplant sein und dafür an anderer Stelle gespart werden.

Doch wenn es nur die Kleidung wäre – Sprechen wir von der Kinderarmut in Deutschland, so sind weitreichendere Teile des Lebens betroffen. Häufig wird der Kindergeburtstag nur sparsam im kleinsten Kreise gefeiert und das Geld für einen Verein oder Kinderfreizeitpark ist auch nicht vorhanden. Viele Kinder haben nicht einmal ein eigenes Kinderzimmer oder Jugendzimmer, weil man im Hartz IV nur einen begrenzten Wohnraum nutzen darf. So fehlt es neben dem eigenen Zimmer auch an Spielsachen und Rückzugsmöglichkeiten überhaupt. Nicht einmal ein Kurzurlaub über das Wochenende ist möglich. Die Folgen sind für die Kinder gravierend. Sie verlieren ihr Selbstbewusstsein und werden von anderen Kindern ausgegrenzt. Gesellschaftliche Isolation ist die Folge.

 

Die Kinderarmut in Deutschland, Hartz IV und Billiglohn

Dieses Problem trifft nicht nur auf Deutschland zu. In fast allen Industriestaaten ist die Kinderarmut in den letzten Jahren gestiegen. Bereits 2012 warnte UNICEF mit ihrer Vergleichsstudie – das Ergebnis für Deutschland war enttäuschend. In den 35 reichsten Staaten der Welt wachsen rund 30 Millionen Kinder in relativer Armut auf. Vor allem Kinder, deren Eltern am Rand der Gesellschaft leben, sind betroffen. So geht in diesen Familien oft kein Elternteil arbeiten oder nimmt an Maßnahmen des Arbeitsamtes teil. Die Folge sind Sperren im Geld, was wiederum die Kinder trifft. Doch auch Eltern im Billiglohnsektor sind betroffen. Insgesamt werden mehr als 10 Prozent der Kinder in Deutschland von ernsthaften Armutsproblemen berührt, die in Familien mit drei oder mehr Kindern aufwachsen. Folgende Statistik zeigt die Armutsfallen für Kinder auf.

 

Umfrage Kinderarmut in Deutschland nach Armutsfallen für Kinder

 

Doch gegen Kinderarmut können vor allem die Eltern etwas tun. Vor allem Eltern im Hartz IV wissen oft über bestimmte Möglichkeiten nicht bescheid. So kann man mit einem Job einen bestimmten Betrag im Monat zu seinem Hartz IV hinzuverdienen, ohne dieses Geld an das Arbeitsamt abtreten zu müssen. Zudem gehören diese Eltern besonders durch bestimmte Maßnahmen gefördert. So kann man besonders geförderte Jobs und Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten, um den Eltern und den Kindern somit das Leben zu erleichtern. Den Schulabschluss nachholen ziehen Eltern häufig allerdings nicht in Erwägung, ob der entstehenden Chancen auf dem schwierigen Arbeitsmarkt.

Die Verteilung der Kinderarmut in Deutschland ist unterschiedlich. Mecklenburg-Vorpommern und Bremen haben dabei die größten Probleme. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Insitut (WSI) hat dazu eine Infografik veröffentlicht. Kinderarmut ist in Ostdeutschland wesentlich verbreiteter, nicht zuletzt wegen der zu geringen Verbesserung der Einkommensarmut in den Problemregionen.

 

Infografik Verteilung der Kinderarmut in Deutschland nach Regierungsbezirken

 

Die Fakten zu den Armutsfallen machen deutlich, wie es dazu kommt. Armut bei Kindern hat Auswirkungen auf alle möglichen Aktivitäten des täglichen Lebens. So warnen Experten davor, dass Kinder in Armut weniger Möglichkeiten haben an Bildungsangeboten teilzunehmen und somit Gefahr laufen, in Punkto Bildung benachteiligt zu werden. Zudem ist es schwierig, Spielzeug anzuschaffen. Doch auch die Ernährung ist durch Armut extrem eingeschränkt. Es wird in vielen Familien dann nur noch billig und nicht gesund gegessen. Armut hat Auswirkungen auf alle Bereich des Lebens der Kinder. Doch in der Pflicht ist neben den Eltern auch die Politik, um die Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen. Die Zahlen der Statistik zur Kinderarmut in Deutschland zeigen auf, welche Probleme es in der Gesellschaft wirklich gibt. 

Foto-Urheberrecht:
Jozef Polc/123RF, Häufigkeit von Kinderarmut/statista, Kinderarmut in Ostdeutschland verbreiteter/statista

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