Schule in Deutschland

Schulwahl im deutschen Schulsystem - Kinder in der Schule melden sich

Die Wahl der richtigen Schule für das eigene Kind will wohl überlegt sein. In Deutschland mutet das Schulsystem bisweilen chaotisch an, aber mit dem Ratgeber Schulwahl von Scoyo lässt sich wie folgt aufzeigen, welche Möglichkeiten existieren und wie der weitere Schulweg des Kindes aussehen kann.

 

Bildung ist Ländersache

In Deutschland existieren nur wenige generelle Regelungen, die bundesweit greifen. Dazu zählen die allgemeine Schulpflicht, die unter anderem die Einschulung jedes Kindes zwischen dem fünften und siebten Lebensjahr vorsieht, sowie das Recht auf private Schulgründung.

Bildung, und damit der Schulbereich, ist Angelegenheit der einzelnen Bundesländer. Zuständig ist das jeweilige Kultusministerium (für Berlin, Bremen und Hamburg entsprechend). Daher variieren die Schulformen und -systeme zwischen den Bundesländern teilweise recht stark. Um die Unterschiede nicht zu groß werden zu lassen, gibt es die Kultusministerkonferenz. Dort wird sich auf Grundsätze zu Bildungszielen geeinigt. So ist die grobe Organisation des Bildungswegs durch die Schulformen einheitlich.

 

Der generelle Aufbau des deutschen Schulsystems

Mit der Einschulung beginnt die Schulzeit. Sie startet in der Primärstufe, den Grundschulen, und umfasst die Klassen 1 bis 4 (in Brandenburg und Berlin 1 bis 6). Das spielerische Lernen aus dem Kindergarten wird in der Grundschule in Schulfächer strukturiert.

Auf die Primärstufe folgt die Sekundarstufe I. Dabei sind die Klassen 5 und 6 in den Bundesländern unterschiedlich organisiert. In vielen Bundesländern ist die Orientierungsstufe für diese Klassen eingeführt, teilweise wird in leistungsabhängigen Kursen unterrichtet. Es ist eine Zwischenstufe für den folgenden Weg auf die Hauptschule, Realschule oder das Gymnasium.

Die Hauptschulen führen ihre Schüler bis einschließlich zur 9. Klasse. Sie unterrichten praxisbezogen mit der Durchführung von Praktika und Kontakten zu Unternehmen. Einzelne Fächer werden teilweise in leistungsdifferenzierter Weise unterrichtet. Am erfolgreichen Ende der Hauptschule steht idealerweise der Übergang in eine Berufsausbildung oder bei entsprechenden Leistungen die Möglichkeit, einen Abschluss in einer höheren Schulform anzustreben.

Auch bei den Realschulen, die bis einschließlich zur 10. Klasse führt, ist ein Praxisbezug durch Praktika gegeben. Dazu besteht die Wahl einer zweiten Fremdsprache. Nach dem Abschluss gibt es die Möglichkeit, bei guten Leistungen eine höhere Schulform zu besuchen, oder in eine Ausbildung zu gehen.

Das Gymnasium bis zur 10. Klasse fällt ebenfalls in die Sekundarstufe I. Mit der Versetzung in die 11. Klasse ist ein entsprechender Abschluss (analog zum Realschulabschluss) erworben. Am Gymnasium ist der Besuch der Oberstufe möglich, die in die Sekundarstufe II fällt. Das Abitur, das die Aufnahme eines Studiums erlaubt, wird nach der 12. oder 13. Klasse abgelegt (je nach Bundesland oder Schule). In der Oberstufe tritt zudem ab der 11. oder 12. Klasse das Kurssystem, das den Unterricht im Klassenverband ablöst. Die Schüler wählen hier ihre bevorzugte Fächerkombination unter Berücksichtigung bestimmter Auflagen eigenständig.

Das dreigliedrige System ist nach außen hin nicht immer sichtbar. Vielerorts sind Schulen unter der Bezeichnung Gesamtschule, Regelschule, Mittelstufenschule, Stadtteilschule oder Sekundarschule zu finden. Sie fassen Haupt- und Realschulen unter einem Dach zusammen, in seltenen Fällen ist auch ein gymnasialer Zweig vorhanden. Das bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass die Kinder schulformübergreifend unterrichtet werden.

Die Sekundarstufe II ist als Oberstufe an Gymnasien zu finden, hierzu zählt aber auch der berufsbildende Bereich. Während das Abitur auf ein Studium vorbereiten soll (was alternativ eine anschließende Ausbildung nicht ausschließt), sind berufsbildende Schulen in Bezug zur Berufsausbildung zu sehen. 

 

Alternative Schulformen

Als Privatschulen gegründet existieren in Deutschland vor allem im Grundschulbereich alternative Formen der Schulbildung. Die Gründer gehen anderen pädagogischen Konzepten nach als in der staatlichen Schulbildung vertreten.

Die Waldorf-Schulen bieten Epochen-Unterricht, bei dem ein Fach über längere Zeit am Stück unterrichtet wird oder in Projektform fächerübergreifend. Es gibt keinen festen Lehrplan, keine Noten (in höheren Klassen auf Wunsch), kein Sitzenbleiben und Lehrer werden möglichst nicht gewechselt. Die Abschlüsse sind anerkannt, das Abitur wird meist extern abgelegt. Ein Schulwechsel hin zur oder weg von der Waldorf-Schule ist jederzeit möglich. Die Kosten passen sich dem Einkommen der Eltern an, es wird ein hohes Engagement der Eltern erwartet.

Bei Montessori-Schulen steht selbstbestimmtes Lernen im Fokus. Freie Themenwahl beim Lernen und altersgemischte Gruppen sind dort ebenso anzutreffen wie „klassischer“ Unterricht. Die Kinder sind selbstorganisierter und es gibt kein starkes Regelsystem. Ein Wechsel an eine staatliche Realschule oder staatliches Gymnasium ist nur mit Prüfung möglich. Das Schulgeld passt sich dem Einkommen der Eltern an, ein hohes elterliches Engagement wird erwartet.

Die Freinet-Schulen betonen die Individualität der Kinder. Kein Frontalunterricht, keine festen Lehrpläne. Lern- und Lehrentscheidungen werden von Lehrern und Schülern in einem Klassenrat zusammen beschlossen. Gemeinschaftlich werden Arbeitspläne aufgestellt und das Einhalten kontrolliert. Das spricht vor allem extrovertierte Kinder an. Freinet-Schulen werden als Grundschulen geführt, es eine Empfehlung für die weiterführende Schulform ausgesprochen. Auch hier hängt die Höhe des Schulgelds vom Einkommen der Eltern ab.

Die Verbindung von Bildung und Erziehung ist das Hauptaugenmerk von Jena-Plan-Schulen. Es wird im Kurssystem unterrichtet und zusätzlich in vertiefender Form altersübergreifend. Soziale Kompetenzen werden über Projekte gefördert. Noten gibt es bis zur 7. Klasse nicht. Dort kann das Kind jeden Schulabschluss erwerben. Schulgeld muss nicht gezahlt werden, da sich die Schulen in staatlicher Trägerschaft befinden. Die Jena-Plan-Schulen sind den staatlichen Schulen am Nächsten.

Daneben gibt es noch unzählige Privatschulen mit unterschiedlichen Konzepten. Sowohl die Methodik als auch die Kosten schwanken sehr stark. Eine Auflistung mit allen notwendigen Informationen ist im Internet zu finden.

 

Wer bestimmt, wohin das Kind zur Schule geht?

Welche Grundschule das einzuschulende Kind besucht, richtet sich nach dem Schulbezirk (Schulsprengel), in dem das Kind wohnt (Ausnahme: Nordrhein-Westfalen). Akzeptieren Eltern die Grundschule für ihr Kind nicht, können sie ihr Kind auf eine Privatschule schicken, in einen anderen Schulbezirk ziehen oder einen Umschulungsantrag beim zuständigen Schulamt stellen. Ähnliches gilt, wenn die Wahl einer weiterführenden Schule ansteht. Der Besuch einer staatlichen Schule in einem anderen Bezirk ist meist nur dann unproblematisch, wenn diese Form im heimatlichen Bezirk nicht existiert.

 

Was ist die richtige Grundschule?

Vor der aktiven Suche steht das Erstellen einer Wunschschule. Die Eltern sollten sich bewusst machen, was die Schule ihrem Kind vermitteln soll, welche Umgebung sie sich für ihr Kind wünschen und welche Ansprüche die Schule erfüllen muss und welche sie erfüllen soll.

Im nächsten Schritt wird die Erwartungshaltung mit den infrage kommenden Schulen abgeglichen. Jede Grundschule bietet einen Tag der offenen Tür, wo sich Eltern informieren können, die Schule begehen und mit Lehrern in Kontakt treten können.

 

Was ist die richtige Schulform?

Die Lehrerempfehlung beschreibt aus Lehrersicht die Empfehlung für den Besuch des Kindes auf einer Hauptschule, Realschule oder dem Gymnasium. Sie ist in der Regel nicht bindend. Viele Eltern melden ihr Kind auf einem Gymnasium an, um ihm die angeblich bestmöglichen Zukunftschancen zu erhalten. Es ist bei der Wahl der Schulform aber wichtig, wie wohl sich das Kind auf der jeweiligen Schulform fühlt. Auch der Rat der Lehrer über die Lehrerempfehlung ist zumindest zu berücksichtigen. Im Hinterkopf steht auch immer die Möglichkeit, bei guten Noten den nächsthöheren Abschluss später noch machen zu können.

Sollte es im Schulbezirk eine integrierte Gesamtschule geben, ist die Entscheidung für oder gegen eine Schulform erst später relevant. Da es hier aber kein einheitliches Konzept und diese spezielle Schulform nicht überall gibt, müssen sich die Eltern die entsprechenden Informationen in ihrer Region holen.

Daneben steht wie zuvor die Frage nach einer staatlichen oder einer Privatschule. Nach der Grundschule oder Orientierungsstufe kann das Kind seine Wünsche und Vorstellungen mit einbringen. Das insbesondere dann wichtig, wenn ein Internat als Alternative in Betracht kommt. Die Trennung vom Elternhaus bei gleichzeitig intensiver Lernumgebung erfordert eine durchdachte Entscheidung. 

Für die richtige Auswahl bietet Scoyo mit der Checkliste Schulwahl ein weiteres einfaches und effektives Hilfsmittel für Eltern bei der Einschulung, oder dem Wechsel auf eine weiterführende Schule. Eigene Anforderungen werden zusammen mit dem Kind ermittelt und anschließend mit dem Schulangebot verglichen. Mit dem Ergebnis der Auswertung lässt sich so die passende Schule finden, denn auch bei der Schulwahl ist Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg/zur Zufriedenheit!

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