Sprachstörungen: Kindersprachprobleme besser verstehen

Sprachstörungen bei Kindern, wenn sie stottern oder lispeln

Spricht mein Kind undeutlich? Ist das für sein Alter normal oder liegt eine Sprachstörung vor? Stottern, Lispeln, selektiver Mutismus, Aphasie – Sprachfehler und Sprachstörungen gehören zur Gesellschaft und rund acht Prozent der Kinder in Deutschland leiden darunter. Es wird diskutiert, ob die typischen Sprachprobleme bei Kindern die letzten Jahre zugenommen haben. In jedem Fall werden Störungen zeitiger erkannt und eine Therapie kann eingeleitet werden. Die Ursachen von Sprachstörungen sind vielfältig.

 

Kinderohren & Kindermünder

Das Niveau der Sprachentwicklung bei Kindern hängt vom Grad der Entwicklung des kindlichen Gehirns ab. Ein Baby muss lernen Wörter aus den Lauten seiner Mitmenschen zu erkennen und Zusammenhänge zwischen den Worten herzustellen. Die Ursachen von Sprachstörungen können vielfältig sein. Hörprobleme zum Beispiel können die Sprachentwicklung zusätzlich beeinträchtigen. Häufige Mittelohrentzündungen bei Kindern zählen zu den Ursachen für Hörprobleme. Außerdem sollte im Bezug auf das Sprechen lernen berücksichtigt werden, dass viele Laute ähnlich gebildet werden. Wenn zum Beispiel ein kleines Kind „bielen“ statt „spielen“ sagt, so liegt das wahrscheinlich an der Ähnlichkeit der Laute „b“ und „sp“. Ab dem 6. Monat können Babys Laute verdoppeln und mit circa 1 Jahr werden die ersten Worte, wie „Ma-Ma“ oder „Pa-Pa“, gebildet. Sogenannte Zweiwortäußerungen, wie „Mama da“, können Babys – beziehungsweise dann schon Kleinkinder – mit 1,5 bis 2 Jahren bilden.

 

Wann gilt die Sprachentwicklung als gestört?

Ab 2,5 bis 4 Jahren erweitert sich der Wortschatz des Kleinkindes. Verbindungen zwischen Wörtern und Objekten, Dingen oder Handlungen sind selbstverständlich. Während anfänglich noch Laute, die für das Kind einfach sind, gebildet werden, ist die Sprachentwicklung nun mit etwa 4 bis 5 Jahren abgeschlossen. Schulkinder sollten also die wesentlichen Punkte der üblichen Sprachbeherrschung kennen. Mit 4 bis 5 Jahren sind das in jedem Fall die folgenden Punkte: 

  • Kinder können (fast) alle Laute korrekt aussprechen
  • Kinder können Sätze mit einfacher Grammatik bilden
  • Kinder besitzen einen einfachen Wortschatz

Tritt der zeitliche Ablauf der natürlichen Entwicklung der Sprache bei Kindern verzögert ein, so spricht man von einer Sprachentwicklungsverzögerung oder einer Sprachentwicklungsstörung. Eine Aussprachestörung wie Dyslalie, also Stammeln beziehungsweise Stottern kann auftreten. Doch was sind die allgemeinen Anzeichen von Sprachstörungen und wie merken Eltern eine Sprachentwicklungsstörung beim Kind? 

  • eingeschränktes Sprachverständnis
  • eingeschränkter Wortschatz
  • fehlerhafte Aussprache
  • fehlerhafte Grammatik

 

Störungen der Sprachentwicklung

Diese Sprachstörungen können schon bei einjährigen Kindern auftreten. Sprachentwicklungsstörungen sind durch verschiedene Symptome zu erkennen. Wenn ein Baby plötzlich aufhört zu brabbeln, ist das ein typisches Anzeichen für so eine Beeinträchtigung. Daneben lassen sich bei den Betroffenen häufig Konzentrationsstörungen, fehlendes motorisches Geschick und das Meiden von Blickkontakten beobachten. In solchen Fällen sollten die Kleinen dringend in Fachkliniken untersucht werden. Stellt sich die Sprachentwicklung des Kindes in Form von einfachen Worten nicht bis zu 1,5 Jahren ein, so ist ein Facharzt zu Rate zu ziehen. Der übliche Weg geht über den Kinderarzt – dieser sollte jedoch an einen Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie weiter überweisen. Die folgenden Sprachprobleme und Sprachstörungen treten bei Kindern oft auf: 

  • Lispeln:
    Betroffene Kinder haben Probleme beim Sch-Laute bilden. Das Wort Schule kling bei diesem Sprachfehler beispielsweise eher wie „Ssule“. Ursache dieser Sprachstörung bei Kindern: Zunge bewegt sich im Gaumen zu weit nach vorne und gerät in manchen Fällen sogar zwischen die Zähne. 
  • Stottern:
    Stotternde wiederholen oft Wortteile oder Wörter. Dabei werden Laute, wie etwa „Fffffuchs“ gedehnt und die Aussprache von einzelnen Wörtern funktioniert nur unter Anstrengung. Ursache: Phasen in denen Kinder Stottern gehören zur kindlichen Sprachentwicklung. Das liegt daran, dass die Kleinen oft mehr zum Ausdruck bringen möchten und schneller reden wollen, als sie können. Es wird zwischen echten Stottern und Phasen-Stottern unterschieden.
    • Echtes Stottern entsteht durch Verkrampfen beim Sprechen, dadurch haben Betroffene merkbare Schwierigkeiten Wörter herauszubringen. Einzelne Buchstaben oder Bruchteile von Wörtern werden oft wiederholt. I ii ich f f f fa fahr re re fahre Fa Fa Fahrrad“ dient als Beispiel für echtes Stottern.
    • Beim Phasen-Stottern kommt es zu häufigen Wiederholungen desselben Wortes. „Mama Mama Mama geht geht einkaufen“ zeigt beispielhaft, was gemeint ist.

 

Was kann gegen Sprachstörungen bei Kindern unternommen werden?

Durch eine Therapie kann Stottern und Lispeln sehr gut behandelt werden. Liegen Hörprobleme vor oder das Gehirn des Kindes ist noch nicht so weit, dann können Probleme auftreten. An den Eltern liegt es in den meisten Fällen jedoch nicht! Störungen sollten in einer Spezialklinik untersucht werden, um die bestmögliche Therapie zu finden. Eltern können ihr Kind dabei unterstützen: 

  • selber deutlich und langsam sprechen
  • beim Sprechen das Kind anschauen, damit die Mundbewegungen zu sehen sind
  • sich nicht über die Aussprache des Kindes lustig machen
  • die falsche Aussprache nicht tadeln
  • Lob bei korrekter Aussprache

 Ab circa spätestens 5 Jahren sollte das Kind bei Sprachstörungen behandelt werden. Egal ob es sich dabei um Lispeln, Stottern oder Stigmatismus handelt. Dadurch kann sich die falsche Lautbildung im Gehirn nicht verfestigen. Experten diskutieren, ob eine solch frühe Behandlung bei einer Sprachstörung bei Kindern nötig ist. Trotzdem sollte es vom Arzt abgeklärt werden, denn nur so ist eine frühzeitige Therapie möglich. Häufig können auch Zusammenhänge zwischen den motorischen Fähigkeiten und der Sprache festgestellt werden. Kleinkinder hängen „schlapp“ auf dem Stuhl, berichten Logopäden. In verschiedenen Portalen im Internet wird vom „falschen Nuckel an der Flasche“ geschrieben und dass es dabei zu einer Fehlentwicklung der Sprache führen kann. Ob das jedoch wirkliche Ursachen für lispeln, stottern und andere Sprachstörungen sind ist ungeklärt. Eine Sprachentwicklungsstörung bei Kleinkindern ist häufig wesentlich komplexer – die Therapie bei stottern oder lispeln dafür umso einfacher, wenn die Umgangspersonen rechtzeitig die Initiative ergreifen, um die Kids bei ihrer Sprachentwicklung zu unterstützen. 

 

Therapie gegen Stottern und Lispeln

Eltern können die Motorik ihrer Kleinen jedoch auch spielerisch fördern. Zum Beispiel Pustespiele bieten sich hierbei zur Verbesserung der Motorik im Hinblick auf das Sprechen an. Pustet doch einmal zusammen mit dem Kind ein Stück Watte über den Tisch! Auch (zuckerfreier) Kaugummi kauen hilft dem Nachwuchs bei der Sprachentwicklung (sobald sie alt genug für Kaugummi sind). Beim Sprechen lernen spielt auch Motivation eine wichtige Rolle: Falls das Kind etwas falsch ausspricht, sollte es nicht getadelt oder ausgelacht werden. Logopäden helfen gern, wenn eine Sprachstörung bei Kindern vorliegt. Eine Sprachentwicklungsstörung ist nichts Seltenes und kann sehr gut behandelt werden. Das Bauchgefühl der Eltern ist meistens der wichtigste Anhaltspunkt und mit professioneller Unterstützung sind Sprachprobleme einfach zu meistern. Sprachschwierigkeiten bei Kindern sollten zunächst mit dem Kinderarzt abgeklärt werden. Dieser hat alle bisherigen Entwicklungsschritte des Kindes verfolgt und kann die Lage gut einschätzen. Bei der Diagnose einer Sprachentwicklungsstörung, wird ein HNO-Arzt hinzugezogen, um einen audiologischen und logopädischen Befund zu stellen. Eine fachärztliche Behandlung findet dann durch einen Phoniater statt. Das ist ein Facharzt für Sprach-, Stimm-, und kindliche Hörstörungen. Dieser kann Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern und seine Ursachen fachgerecht behandeln und gibt Vorschläge für eine effiziente Therapie. Stottern und Lispeln ist also keine Schande und Eltern sollten sich in keinem Fall für ihre Kinder dafür schämen. Wenn Babys sprechen lernen, sollte zunächst abgewartet werden, wie die weitere Entwicklung ist. Lernt das Kind nicht in dem erwarteten Umfang, so helfen Ärzte gern bei der Beratung, um einer Sprachstörung beim Kind vorzubeugen.

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