Ratgeber: Adoption in Deutschland

Ratgeber Adoption in Deutschland
Kinderwunsch: Adoption in Deutschland

Für viele Menschen, die selbst auf natürlichem oder medizinischem Wege keine Kinder bekommen können, ist eine empfehlenswerte Option die Adoption. Mit der Adoption können viele Menschen, die sich nach einer eigenen Familie sehnen, Kindern das Geschenk der Geborgenheit geben, die sonst ohne Familie aufwachsen müssten und sich damit ihren Kinderwunsch erfüllen. Doch wie so vieles ist auch die Adoption in Deutschland an Voraussetzungen geknüpft und mit Kosten verbunden. Wartezeiten erschweren den Ablauf, egal ob Stiefkindadoption, Inlandsadoption oder Auslandsadoption – sie ist facettenreich und es gibt einige Aspekte zu beachten. Wir geben im Ratgeber Antworten auf wichtige Fragen – Wie kann man in Deutschland ein Kind adoptieren?

 

Inhalt des Ratgebers
  1. Adoption
  2. Voraussetzungen einer Adoption
  3. Ablauf einer Adoption
  4. Kosten einer Adoption
  5. Stiefkindadoption
  6. Auslandsadoption
  7. Elternzeit bei Adoptivkindern und Elterngeld für Adoptiveltern
  8. Namensrecht bei Adoption
  9. Statistiken zur Adoption in Deutschland

 

Adoption

Die Adoption ist ein viel umstrittenes und ausführlich behandeltes Thema in Deutschland. Vor allem für unfruchtbare Paare oder auch für homosexuelle Paare tritt das Thema Adoption immer mehr in den Vordergrund bei Kinderwunsch. Die meisten Erwachsenen wünschen sich nach Möglichkeit ein junges und gesundes Baby. Die Chance für den Erfolg der Adoption so eines Wunschkindes ist jedoch äußerst gering. Hierbei herrscht der Grundsatz: für jedes Kind werden passende Eltern gesucht und nicht anders herum. Daher sollten sich die werdenden Eltern bei den Adoptionswünschen eher einschränken. Grundsätzlich entscheiden sich die meisten Erwachsenen aus religiösen, ethischen und weltanschaulichen Gründen, ein verlassenes Kind zum Teil der Familie werden zu lassen. Etwa 6000 Adoptionen werden laut Statistik jährlich in Deutschland veranlasst. Etwa die Hälfte davon sind sogenannte Stiefkindadoptionen in den Statistiken.

Unterschiedliche Arten einer Adoption

Es gibt unterschiedliche Arten von Adoptionen in Deutschland. Neben der Stiefkindadoption unterscheidet das Adoptionsrecht nach Inkognito Adoption, Halboffene Adoption und Offene Adoption.

  • Die häufigste Art der Adoption ist die Stiefkindadoption. Dabei adoptiert ein neuer Partner sein Stiefkind, wobei das Kind ab einem Alter von 14 Jahren selbst zur Adoption zustimmen muss.
  • Die Inkognito Adoption ist eine weitere Art und dabei besteht die Besonderheit, dass die Daten von beiden Seiten geheim bleiben. Ab dem 16. Geburtstag hat das Adoptivkind das Recht, Einsicht in die Vermittlungsakten zu nehmen. Somit kann es mehr Informationen über die leiblichen Eltern und die eigene Herkunft erfahren. Bei minderjährigen Kindern ist es so geregelt, dass die Adoptiveltern bei der Einsicht der Akten zustimmen müssen.
  • Die Halboffene Adoption birgt die Besonderheit, dass die leiblichen Eltern über das Jugendamt indirekt Kontakt mit dem Adoptivkind halten können, indem Briefe und Fotos getauscht werden.
  • Die Offene Adoption umfasst den direkten Kontakt. Der direkte Kontakt zwischen den leiblichen Eltern, dem Kind und den Adoptiveltern ist dabei möglich.

Jedoch ist eine Adoption auch immer mit viel Zeitaufwand und Geduld verbunden. Das Adoptionsrecht in Deutschland ist relativ streng und daher müssen auch vorher Auflagen erfüllt werden. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) regelt die Annahme als Kind unter §§ 1741- 1772. Das Adoptionsrecht wurde 1976 reformiert und das Adoptionsvermittlungsgesetz (AdVermiG) verabschiedet. Für die Überprüfung der Auflagen und für den gesamten Prozess der Adoption sollten vorsorglich bereits drei bis sieben Jahre mit einberechnet sein. Nach der Überprüfung der allgemeinen Auflagen durchläuft das Anwärterpaar einen langwierigen Prozess, bei dem herausgefunden werden soll, ob das Paar sich überhaupt zur Adoption eignet. Denn schließlich ist es absolut wichtig, dass für das Kind auch ein sicheres Zuhause gefunden werden kann mit einer vertrauensvollen Familie, wo ein Eltern-Kind-Verhältnis entsteht.

Eine Erwachsenenadoption, also eine Adoption von Erwachsenen durch Erwachsene, ist keine Volladoption. Die Bindungen zur leiblichen Familie entfallen dabei nicht. Die Sonderform der Erwachsenenadoption zum Minderjährigenrecht in Deutschland ist im BGB (§ 1772) geregelt.

 

Voraussetzungen einer Adoption

Bevor eine Adoption erfolgreich gelingt, müssen vorher einige Voraussetzungen und Auflagen erfüllt sein. Ein bereits verheiratetes Paar kann grundsätzlich nur gemeinsam adoptieren. Sollte das Paar unverheiratet sein, kann nur einer der beiden das Kind adoptieren. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass verheiratete und heterosexuelle Antragsteller bei dem Auswahlverfahren für Adoptionen im Gegenzug zu Alleinstehenden oder homosexuellen Paaren bevorzugt behandelt werden. Die Alleinstehenden und die homosexuellen Paare können lediglich als Einzelperson ein Kind aufnehmen.

Die Eignung wird als Voraussetzung einer Adoption unter anderem auf die körperliche sowie die geistige Gesundheit getestet. Beispielsweise sind ein chronisches Leiden, Vorstrafen oder Arbeitslosigkeit Gründe einer Absage zur Adoption eines Kindes. Des Weiteren ist auch die finanzielle Sicherheit relevant, unter die unter anderem ein festes Einkommen und ausreichend Wohnraum fällt. Es gibt außerdem ein Mindestalter für die Adoption, das bei 21 Jahren liegt und bei 25 Jahren bei Alleinstehenden. Ab 40 Jahren sinkt die Chance auf ein Wunschkind erheblich; meist werden Säuglinge und Kleinkinder ausschließlich an Paare vermittelt, die jünger als 35 Jahre sind.

Auch wird bei der Eignung geprüft, ob die Motive für die Adoption die passenden und richtigen sind. Ein Kind sollte immer in den Kreis der Familie aufgenommen werden mit der Intention, dieses um seiner selbst zu lieben und um Liebe zu geben. Keinesfalls sollte das Kind als Rettungsanker für die Ehe oder für den Ersatz eines verstorbenen Kindes dienen.

Weitere Informationen zum Adoptionsrecht und Adoptionsvermittlungsrecht in Deutschland hält das Faltblatt als Ratgeber vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bereit.

 

Ablauf einer Adoption

Der Ablauf einer Adoption ist ein langer Prozess, der viel Geduld bedarf. Anfänglich müssen die Voraussetzungen überhaupt erfüllt sein, damit die Adoptionsvermittler überhaupt in Kontakt treten. Beim ersten Gespräch mit den Adoptionsvermittlern geht es darum, sich einen ersten Eindruck der werdenden Adoptiveltern zu verschaffen und den gesamten Ablauf der Adoption zu erklären.

Danach erfolgt die Stellung eines Antrags beim Jugendamt. Dafür ist es notwendig, eine zahlreiche Anzahl an Dokumenten und Unterlagen zusammen zu tragen. Zuerst muss das Antragsformular ausgefüllt sein oder eine Bewerbung muss selbst verfasst werden. Außerdem sind die Geburts- und Heiratsurkunden sowie die Lebensläufe der beiden Partner relevant. Des Weiteren sollten auch die Polizeilichen Führungszeugnisse und sämtliche ärztliche Atteste vorliegen. Zum Schluss sind noch alle vorhandenen Verdienst- und Vermögensnachweise beizulegen. Ein Fragebogen mit wichtigen Fragen liegt meist auch bei, der von den zukünftigen Adoptiveltern ausgefüllt werden soll. Darin sind Fragen enthalten wie beispielsweise „Welche Vorstellungen sind für die Kindererziehung vorhanden?“

Nach der Antragsstellung folgt ein Eignungsverfahren. Dafür führen Sozialarbeiter mit den zukünftigen Adoptiveltern etwa zwei bis drei Gespräche. In den Gesprächen werden viele Aspekte beleuchtet wie beispielsweise die eigene Kindheit, die Beziehung des Paares zueinander, die Gründe der Adoption, Vorstellungen für die Erziehung und vieles mehr. Die Überprüfung erfolgt äußerst gründlich und als Resultat soll festgestellt werden, ob sich die Bewerber für die Adoption eignen.

Nach einer Wartezeit, die ganz unterschiedlich sein kann, wird den zukünftigen Adoptiveltern dann individuell ein Adoptivkind zugeordnet, das in das liebende Familienumfeld aufgenommen wird. Die Wartezeit kann mehrere Jahre betragen.

 

Kosten einer Adoption

In Deutschland ist die Adoptionsvermittlung im Inland die Aufgabe der Jugendhilfe und daher gebührenfrei. Allerdings fallen natürlich Kosten in Höhe von etwa 200 Euro an für beispielsweise beglaubigte Kopien, notarielle Gebühren und so weiter.

Eine nichtstaatliche Behörde ist eine private Adoptionsvermittlung und daher fallen schon Kosten an. Die Höhe dieser ist von Vermittlungsstelle zu Vermittlungsstelle unterschiedlich. Die sogenannten Vereine sind finanziell auf sich selbst gestellt und auf Spenden angewiesen. Die Beträge für den Bedarf werden von den Vereinen jedes Jahr neu berechnet und können variieren. Daher können für den gesamten Prozess der Adoption Beträge von bis zu 5000 Euro verlangt werden.

Eine Auslandsadoption ist allerdings nicht kostenfrei. Die Gebühr dafür beträgt 800 Euro. Zusätzlich können durchaus weitere Kosten entstehen unter anderem bei Wahl des Herkunftslands, Verfahrensbesonderheiten, für Übersetzungen, Beglaubigungen und Urkunden. Für die genauen Kosten können die örtlichen Jugendämter Auskunft geben.

Die Kosten für die Adoption sind steuerlich nicht absetzbar, dies ist für den allgemeinen Wissensstand sehr interessant.

 

Stiefkindadoption

Die Stiefkindadoption ist die häufigste Art von Adoptionen in Deutschland. Wenn ein verheiratetes Paar das Stiefkind den leiblichen Kindern rechtlich gleichstellen möchte, kann das Stiefkind vom anderen Partner adoptiert werden. Besonders infrage kommt diese Art von Adoption beispielsweise, wenn das Kind zu dem getrennt lebenden Elternteil jahrelang keinen Kontakt hatte, der andere liebliche Elternteil verstorben oder unbekannt ist oder das Kind erb- und unterhaltsrechtlich mit den anderen leiblichen oder gemeinsamen Kindern gleichgestellt werden soll. In erster Linie geht es natürlich um das Wohl des Kindes. Bei der Stiefkindadoption ist es eine Voraussetzung, die gesamten Lebensverhältnisse für das Kind zu verbessern. Es gelten ein Mindestalter von 21 Jahren und der Altersunterschied von nicht mehr als 40 Jahren. Die Partner müssen schon mindestens ein Jahr miteinander verheiratet sein. Das Zusammenleben mit dem Kind muss ebenfalls bereits ein Jahr bestehen und das Kind muss einverstanden sein. Auch für die Stiefkindadoption werden alle relevanten Dokumente verlangt und beim örtlichen Familiengericht eingereicht. Danach werden alle Familienmitglieder von der Adoptionsvermittlungsstelle befragt, ob denn die Adoption zum Wohl des Kindes diene. Abschließend wird das Jugendamt vom Gericht befragt und nach einem erfolgreichen Vorgang geht der Beschluss zum örtlichen Standesamt. Eintragungen folgen im Familienstammbuch und Änderungen in der Geburtsurkunde des Kindes. Bei reibungslosen Vorgängen wird mit einer Gesamtdauer des Adoptionsprozesses von etwa sechs bis zwölf Monaten gerechnet.

 

Auslandsadoption

Die Adoption von Kindern aus dem Ausland (Internationale Adoption) ist teilweise kostspieliger und zeitaufwändiger als die Adoption von Kindern aus dem Inland. Viel Geduld sollte mitgebracht werden und die Offenheit zu fremden Kulturen. Der Ablauf verläuft ähnlich wie in Deutschland, nur teilweise dauern die Vorgänge länger. Teilweise haben die Kinder auch Traumata, da sie illegalem Menschenhandel angehörten und in ihrem Leben schon viel mit Gewalt und Missbrauch in Kontakt kamen. Es ist die individuelle Entscheidung für jeden Menschen selbst, ein Kind aus dem Ausland zu adoptieren und ihm Liebe und Nähe zu schenken. Bei der Auslandsadoption wird zwischen Vertragsstaaten des „Haager Übereinkommens über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption“ und Nichtvertragsstaaten unterschieden. Die Vermittlungsstellen für Internationale Adoptionen sind die Zentralen Adoptionsstellen der Landesjugendämter und die Jugendämter mit entsprechender Zulassung sowie zugelassene Vermittlungsstellen freier Träger. Das Gesetz über Wirkungen der Annahme als Kind nach ausländischem Recht (AdWirkG) regelt die Voraussetzungen und den Ablauf (Adoptionswirkungsgesetz). Die Bundeszentralstelle für Auslandsadoption (BZAA) hält weitere Antworten auf Fragen zur Internationalen Adoption bereit. Die Wartezeit kann mehrere Jahre betragen.

 

Elternzeit bei Adoptivkindern und Elterngeld für Adoptiveltern

Auch Adoptiveltern haben den Anspruch auf Elternzeit, welche beim Arbeitgeber beantragt wird (Muster für Elternzeitantrag). Dieser beträgt ab Aufnahme des Kindes drei Jahre, darf allerdings das achte Lebensjahr des Kindes nicht überschreiten. Adoptiveltern können ohne Zustimmung des Arbeitgebers 24 Monate der dreijährigen Elternzeit beanspruchen.

Das Elterngeld kann für die Dauer von bis zu vierzehn Monaten beantragt werden, anders als bei leiblichen Kindern. Die Rahmenzeit für die Beanspruchung des Elterngeldes ist hier wieder bis zur Vollendung des achten Lebensjahres des Kindes.

 

Namensrecht bei adoptierten Kindern

Grundsätzlich erhält das Adoptivkind den Familiennamen seiner Adoptiveltern laut deutschem Namensrecht. Unter strengen Voraussetzungen kann auch der Vorname des Kindes geändert werden oder es können weitere Vornamen hinzugefügt werden, um beispielsweise eine bessere Integration in das neue Umfeld zu gewährleisten. Auch wird oft der Wunsch für die Änderung des Vornamens geäußert, wenn das Kind eine traumatische Vergangenheit hatte und sich selbst unter dem neuen Namen eine grundneue Existenz aufbauen möchte. Hierbei macht das Namensrecht in Deutschland bei Adoptionen Ausnahmen.

 

Statistiken zur Adoption in Deutschland

Im Folgenden ein paar interessante Statistiken zu Adoptionen in unserem Ratgeber: Im Jahr 2012 wurden in Deutschland laut Statistik 3886 Kinder adoptiert (Statistisches Bundesamt). 57 Prozent der Adoptionen erfolgten dabei durch die Stiefeltern. 34 Prozent der adoptierten Kinder waren laut Statistik drei Jahre oder jünger, 30 Prozent der Adoptivkinder waren sechs bis elf Jahre alt und 25 Prozent der Kinder waren zwölf Jahre oder älter. Insgesamt besaßen 32 Prozent der Adoptierten keine deutsche Staatsangehörigkeit (aktuelle Zahlen zu Adoptionen in der Tabelle auf destatis.de).

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