Eine Trennung mit Kind bedeutet viel Einfühlungsvermögen

Wenn eine Beziehung zu Ende geht, betrifft eine endgültige Trennung vom Partner immer alle Mitglieder der Familie. Eine Scheidung oder Trennung trotz Kinder steht immer am Ende und zugleich für den Anfang einer neuen Entwicklung. Scheiden tut weh und das spüren ganz besonders die Kinder, wenn die Trennung der Eltern beschlossen ist. Jetzt müssen die Eltern zeigen, dass sie trotz Trennung mit Kind immer noch Mama und Papa bleiben. Die Patchworkfamilie ist lange nichts neues mehr und die Kids müssen viele neue Erfahrungen sammeln. Einfühlsame Gespräche mit den Kindern sind hilfreich und sorgen bei den Kleinen für Verständnis.

 

Scheidungskinder sind keine Einzelfälle mehr

Jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden (Statistik Scheidungsrate Deutschland). In Großstädten ist es jede zweite Ehe. Statistisch gesehen müssen jedes Jahr rund 150.000 Kinder eine Trennung verarbeiten. In den amtlichen Statistiken tauchen aber die Kinder nicht auf, deren Eltern nie verheiratet waren. Eine Bilderbuchfamilie mit zwei Kindern, in der die liebenden Eltern irgendwann ihre goldene Hochzeit feiern wird immer seltener. Ein trauriger Vorteil für die betroffenen Kinder ist, dass sie längst nicht mehr die einzigen Kinder in der Klasse sind, die zwischen zwei Haushalten pendeln. Die steigende Tendenz der Trennung mit Kind macht aus Scheidungskindern in der heutigen Zeit etwas Normales und Alltägliches. Auch für die Kinder, die eine schwierige Trennung überwinden müssen, wird nach einer langen Eingewöhnungsphase der Alltag wieder einkehren. Eine Trennung oder Scheidung muss für alle Beteiligten nicht unbedingt eine große Katastrophe sein. Besonders wenn es häufig Streit oder eisiges Schweigen zwischen den Eltern gab, ist es umso sinnvoller einen Schlussstrich zu ziehen, damit alle Parteien zur Ruhe kommen, auch wenn eine Trennung mit Kindern zunächst weh tut.

 

Eine Trennung vom Partner bringt viele Veränderungen

Trennung – was nun? Kinder und Trennung ist ein heikles, aber kein seltenes Thema. Bei einer Trennung mit Kindern muss der Alltag mit seinen Rhythmen und den früheren Gewohnheiten neu geordnet werden. Ein Elternteil muss sich eine neue Wohnung suchen und einrichten. Oft kommt es zu einer beruflichen Neuorientierung oder zu einem Schul- oder Kindergartenwechsel. Kinder bis zum dritten Lebensjahr können relativ schnell eine Trennung überwinden. Sie orientieren sich an einer festen Bezugsperson, meistens der Mutter. Für Kinder ab 4 Jahren ist es schwerer eine Trennung verarbeiten zu können, da Kinder ab diesem Alter beide Elternteile für das soziale Verhalten benötigen. Scheiden tut weh und das bringen Kinder je nach Altersklasse durch Trauer, Wut oder Verschlossenheit zum Ausdruck. Viele Gespräche oder eine professionelle Familienberatung können Kindern helfen, mit der Trennung der Eltern klarzukommen.

 

Richtiger Umgang mit dem Thema „Kinder und Trennung“

Scheiden tut weh, trotzdem hat eine Trennung mit Kindern keine langfristigen Folgen und ist nicht für jedes Kind von Nachteil. Gerade wenn in der Vergangenheit Konflikte und Streit an der Tagesordnung lagen, ist eine Trennung vom Partner für Kinder besser zu verarbeiten und zu verstehen. Wenn nach der Trennung der Eltern klare Besuchszeiten und Regelungen getroffen werden, fällt die Trennung trotz Kind leichter. Statistisch gesehen werden sich die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder, wie zum Beispiel häufiges Weinen, Bettnässen oder Rückzug nach drei Jahren, weitestgehend stabilisieren. Wichtig ist dabei, wie die Eltern mit den Themen Kinder und Trennung umgehen und dass gemeinsame Elternabende oder Schulfestbesuche stattfinden. Durch gemeinsame Aktivitäten fällt es jedem Kind leichter, die Trennung überwinden zu können, (fast) ganz ohne Verlustängste. Der richtige Umgang ist also dafür verantwortlich, dass eine Trennung auch für die Kinder gut funktioniert. Ein Städtewochenende kann zum Beispiel für eine gute Auszeit vom Alltag sorgen. Ein Kindererlebnispark gehört ebenfalls zu den positiven Erfahrungen für die Kleinen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.

 

Kindeswohl und Elternwohl: Altersgerechte Umgangmodelle

Der Umgang nach Scheidung und Trennung mit Kind ist ein viel diskutiertes Thema. Welche Umgangsregelung ist für mein Kind sinnvoll, ist mit dem Umgangsrecht zu vereinbaren und stellt die Eltern zufrieden? Trennungskinder und Scheidungskinder haben je nach Alter vollkommen verschiedene Bedürfnisse, die bei einem Umgangsplan berücksichtigt werden sollten. Die Umgangsregelung ist an die Entwicklung des Kindes anzupassen.

  • erstes Lebensjahr: Säuglinge benötigen eine umfangreiche und konstante Zuwendung und Versorgung, sie binden sich an wenige Personen, die Ihnen vertraut werden und deshalb sollten Besuche häufig sein, müssen aber nicht länger als wenige Stunden andauern.
  • zweites und drittes Lebensjahr: In dieser Zeit sind Kinder besonders empfindlich, was Trennung und Scheidung anbelangt. Die Kleinkinder brauchen feste Rituale und überschaubare, klare Tagesabläufe. Besuche finden am besten häufig statt und können auch einen ganzen Tag andauern, damit die Trennung für das Kind gut zu verarbeiten ist.
  • viertes und fünftes Lebensjahr: In dieser Phase bauen die Kids ihr Gewissen auf und fühlen sich verantwortlich für die Trennung der Eltern. Der Umgang sollte wöchentlich stattfinden und auch längere Aufenthalte in den Ferien oder Übernachtungen am Wochenende sind Förderlich für eine Bindungsentwicklung und sollten von den Eltern besprochen werden.
  • sechs bis neun Jahre: Die ersten Schuljahre sind für die Kleinen aufregend und sie sind auf der Suche nach einer neuen Form der Familienidentität. Schulkinder sind anfällig bezüglich Loyalitätskonflikten und möchten es beiden Eltern recht machen. Pro Monat sollten an mindestens zwei Wochenenden Besuche stattfinden, längere Aufenthalte sind ebenfalls sinnvoll und Freizeitaktivitäten sollten unter Einbeziehung der Wünsche des Kindes stattfinden.
  • zehn bis 13 Jahre: Ältere Kinder kämpfen mit der beginnenden Pubertät. Trennung und Scheidung sind in dieser schwierigen Lebensphase für Eltern und Kinder eine Belastung. Die Identitätsfindung der Kinder wird erschwert und deshalb ist es wichtig, dass beide Eltern „an einem Strang ziehen“ und nicht den anderen für Probleme verantwortlich machen. Besuche können nach den Wünschen der Kinder gestaltet werden, diese sollte ein Mitspracherecht bei der Umgangsplanung erhalten. Auch spontane Besuche sollten ermöglicht werden, um die Trennung für die Kinder so angenehm wie möglich zu gestalten.
  • 14 bis 18 Jahre: Jugendliche werden selbstständig und Freunde werden wichtiger. Die Eltern sollten sich nach einer Trennung oder Scheidung mit den Wünschen des Kindes bezüglich des Umgangs und Lebensortes auseinandersetzen. Eine Trennung trotz Kind kann in dieser Lebensphase, der Adoleszenz, für alle Beteiligten schwierig sein. Gerade deshalb ist eine vernünftige und ausreichende Kommunikation zwischen beiden Eltern und dem Kind wichtig.

 

Ein neuer Partner nach der Trennung

Patchworkfamilien haben es in der Realität nicht so einfach, wie die beliebte Serie „Ich heirate eine Familie“ vorgaukelt. Kaum konnten die Kinder die Trennung verarbeiten, ändert sich ihr Familienleben erneut. Ein neuer Partner nach der Trennung hat es nicht immer leicht. Gerade wenn auch der jetzige Partner eine Trennung trotz Kind hinter sich hat, prallen zwei Kinderwelten aufeinander. Nicht nur ein neuer Partner nach Trennung der Eltern, sondern auch eine vermeintliche „neue Schwester / neuer Bruder“ treten in das Leben eines Kindes ein. Das Zusammenwachsen der Familie und das Aufarbeiten der Themen „Kinder und Trennung“ dauert viele Jahre und wird dem neuen Partner viel Zeit und gute Nerven kosten, wenn die Patchworkfamilie funktionieren soll. Rebellion, Aggression und Ablehnung müssen im schlimmsten Fall von den Kindern in Kauf genommen werden. Bei einer Trennung mit Kind sollte immer auf die Bedürfnisse und auf die Sorgen und Ängste des Kindes Rücksicht genommen werden. Dann kann auch eine Trennung der Eltern und der Trennungsschmerz gut verarbeitet werden, das Kind baut keine Ängste vor neuen Partnerschaften und Bindungen auf und eine Patchworkfamilie kann funktionieren.

Sollen die Kinder nach der Trennung den Namen wechseln, so könnt Ihr euch hier zum Namensrecht belesen: Namenswechsel nach Scheidung bei Kindern. Eltern sollten bei einer Trennung mit Kind die Kommunikation untereinander nicht komplett einstellen und sich mit der neuen Situation arrangieren. Ist kein vernünftiges Miteinander mehr möglich, können Freunde oder Großeltern unter Umständen als Mediator helfen, die Trennung trotz Kind in seine Bahnen zu lenken.

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