Gütesiegel bei Spielzeug: geprüfte Sicherheit durch TÜV, GS, CE, Der Blaue Engel und Co

Der Grundgedanke der sogenannten Gütesiegel, welche spezifisch auf Spielzeug für Kinder etikettiert sind, ist im Kern nachvollziehbar: Schließlich will man für seine Kleinen, die noch nicht eigenständig entscheiden können, nur das Beste kaufen – insbesondere in punkto Kinderspielzeug. Denn das Aufwachsen und das Spielen gehören unmittelbar zusammen.

 

Gütesiegel – lohnenswert oder ein Schwindel?

Ein sogenanntes Gütesiegel soll sicherstellen, dass gewisse Kriterien bezüglich Sicherheit, Herstellung und Umwelt erfüllt werden, sodass man seine Kinder guten Gewissens im Kinderzimmer spielen lassen kann. Doch welche Arten von Siegeln gibt es überhaupt und wie zuverlässig sind diese? Dazu nachfolgend ein Überblick:

 

Die wichtigsten Gütesiegel für Kinderspielzeug

Im Folgenden eine Übersicht der wichtigsten Gütesiegel bei Spielzeug – mit Informationen zum Hintergrund und zur Prüfung der Sicherheit und anderer Standards.

Das CE-Zeichen: Der Mindeststandard

Das CE-Zeichen ist erkennbar an der blauen Buchstabenkombination CE und ist auf beinahe jedem Spielzeug zu finden. Im Prinzip sagt das Vorhandensein dieses Zeichens aus, dass beim entsprechenden Spielzeug die Richtlinien der europäischen Standards erfüllt wurden. Also ist dieses Siegel von enormer Wichtigkeit – gleichzeitig zeigt es aber die Problematik auf, mit der sich Verbraucher bei der Vergabe von Gütesiegeln oft konfrontiert sehen. Es kann nämlich nach Belieben von jedermann am Spielzeug angebracht werden – das heißt, auch vom Hersteller selbst. Wie viel wert das CE-Siegel deshalb letzten Endes hat, ist umstritten – schließlich muss keine externe Prüfung vor Anbringung erfolgen.

Das GS-Siegel

Beim GS-Zeichen sieht es schon anders aus als bei dem vorherigen Siegel: Dieses Kennzeichen ist optisch geprägt durch die Buchstabenkombination GS sowie das LGA Logo am oberen linken Rand. Im Gegensatz zum CS-Siegel prüfen hier außenstehende, unabhängige Kommissionen zunächst, ob das Vorhandensein von anerkannten Europäischen Standards die Anbringung dieses Siegels auf Kinderspielzeug gerechtfertigt. Diese Kommissionen können beispielsweise Institutionen wie der allseits bekannte TÜV sein. Im Übrigen steht GS für „Geprüfte Sicherheit“. Zu den Kriterien, die geprüft werden, gehören beispielsweise die Strapazierfähigkeit des Materials oder auch, wie leicht brennbar das Spielzeug ist – es werden hier also recht zuverlässig elementare Kriterien des Umgangs untersucht und für positiv oder negativ befunden. Ferner muss die Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik festlegen, wie hoch der Wert an gewissen Schadstoffen sein darf: So wird umgangen, dass beispielsweise der Anteil an polyzyklischen aromatischen Kohlenstoffen im Spielzeug mit GS-Siegel in zu großen Mengen vorhanden ist.

Der TÜV Rheinland

Es gibt neben dem GS-Siegel weitere Unterkategorien an Prüfern, die ebenfalls Material auf bestimmte Schadstoffe prüfen. Einer davon ist der TÜV Rheinland – dieser ist international im Markt involviert und in einem breiten Spektrum an Aufgaben tätig. Es handelt sich hierbei um ein privates Siegel, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Kriterien, nach denen geprüft wird, nicht staatlich vorgeschrieben sind, sondern ausschließlich von den Akteuren des TÜV Rheinland festgelegt werden. Oftmals findet hierbei aber eine Orientierung an anderen Siegeln, beispielsweise am GS-Siegel, statt. Somit ist das TÜV-Siegel zumindest ein guter Anhaltspunkt bei der Wahl des Spielzeuges.

spiel gut

Dieses orangene „spiel gut Siegel“ wird von einer Zentrale in Ulm vergeben – hier steht, wie der Name des Siegels bereits vermuten lässt, im Wesentlichen der Spielspaß im Vordergrund. Selbige Zentrale heißt „spiel gut Arbeitsausschuß Kinderspiel + Spielzeug e.V.“, ein Titel, der nicht ohne Grund erworben wurde. Das vorhandene Spielzeug wird also auf Kreativität, Denkanstöße und Spielspaß geprüft – gewissermaßen wird es auf eine Mischung zwischen Pädagogik und dem reinen Spaß beim Spielen untersucht. Umweltaspekte spielen hierbei allerdings auch eine – wenn auch minimal untergeordnete – Rolle: So ist das Vorhandensein von Plastik eine Tatsache, die von der Zentrale „spiel gut“ negativ bewertet wird.

„Spiel des Jahres“

Das Siegel „Spiel des Jahres“ existiert konkret seit 2002 und der Fokus wird im Wesentlichen auf Brettspiele gelegt. Ökologische, ökonomische oder gesundheitliche Aspekte sind hier absolute Nebensache, wichtig ist hierbei, wieviel Spielspaß generiert wird. Dies gilt grob bis zu einer Altersgrenze von bis zu acht Jahren, allerdings wird bei der Vergabe des Siegels auch darauf geachtet, dass die ganze Familie involviert ist.

Der „Blaue Engel“

Das Blaue Engel Siegel (auch Blauer Umweltengel) zeichnet Textilien, aber auch andere Produkte, aus, die keinerlei Flamm- oder Holzschutzmittel oder synthetische Duftstoffe aufweisen. Ferner wird beim „Blaue Engel“ Zeichen Wert auf die Herstellung innerhalb einer nachhaltigen Forstwirtschaft gelegt. Am Vergabeverfahren sind verschiedene Institutionen beteiligt: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Umweltbundesamt, RAL gemeinnützige GmbH sowie Jury UZ (Jury Umweltzeichen).

 

Zusammenfassend kann gesagt werden…

Man kann die Gütesiegel zunächst in zwei Arten von „Prüfern“ einteilen:

  1. staatliche (Vorgaben zur Vergabe des Siegels müssen gesetzlich erfüllt werden)
  2. private (Die Kommission kann die Kriterien selbst festlegen).

Ferner gibt es diverse Unterkategorien, die sich auf das zu prüfende Spielzeug beziehen:

  • Prüfung von Textilien
  • Prüfung von Spielzeug
  • Prüfung von Spielen (Brettspiele o.Ä.)
  • Prüfung von Elektronik

Dabei gibt es verschiedene Spezialisierungen, auf die geprüft werden kann:

  • Schadstoffe
  • Umweltfreundlichkeit (ökologischer Mehrwert)
  • Qualität des Spielspaßes
  • Gefahren: Brennbarkeit und andere

 

Kritik an den Gütesiegeln auf dem Spielzeug

Obwohl das Vorhandensein eines Siegels grundsätzlich als positiv erachtet werden kann, so gibt es doch diverse Kritikpunkte. Nicht immer handelt es sich auch im geprüfte Sicherheit und einige Gütesiegel-„Anbieter“ testen nur bestimmte Produkte. Auch ist die Eigenvergabe einiger Zeichen umstritten. Die Voraussetzungen sind oftmals – insbesondere bei privaten Prüfern – nicht genau einsehbar und diffus. Eine genaue Informierung über das spezifische Siegel ist immer notwendig. Grundsätzlich aber gilt, dass das Siegel den qualitativen Wert von Spielzeug maßgeblich anhebt und vergleichsweise die bessere Alternative darstellt.

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