Problemkind: Mein Kind lügt

Wenn Kinder ihre Eltern anlügen, kann das viele Ursachen haben. Tritt das Lügen besonders oft auf und kommen noch andere Verhaltensauffälligkeiten dazu, fällt häufig der Begriff Problemkind. Aber was können Eltern in diesem Fall tun?

 

Mein Kind lügt: Mögliche Gründe und Ursachen

Ab einem Alter von etwa 4 Jahren sind Kinder in der Lage zu lügen und ab einem Alter von 6 Jahren können sie die Lüge bewusst einsetzen, um sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen. Es gibt Studien/Untersuchungen, die bestätigen, dass das Lügen ein wichtiger Entwicklungsschritt ist und einfach dazu gehört. Kinder lernen dadurch die Strukturen und Regeln des sozialen Zusammenseins. Kleinere Kinder lügen nicht absichtlich. Sie sind einfach noch nicht in der Lage dazu Fantasie und Wirklichkeit voneinander zu trennen. Bemerkbar macht sich dies, indem sie zum Beispiel Geschichten erzählen, die nicht der Wahrheit entsprechen oder Situationen ganz anders einschätzen. Im späteren Verlauf sind Kinder in der Lage dazu aus Freundlichkeit zu Lügen. Es gibt aber weitaus mehr Gründe fürs Lügen, dazu zählen unter anderem folgende:

  • sie fürchten sich vor einer Strafe
  • sie schämen sich
  • möchten dadurch Aufmerksamkeit bekommen
  • möchten vor anderen Kindern angeben
  • aus Angst vor Ablehnung und Konfrontation
  • aus Langeweile
  • sie sind in Schule oder Kindergarten unterfordert
  • um sich Freiräume zu verschaffen, durch zu strenge Erziehung

 

Ab wann wird mein Kind zum Problemkind?

Wenn das eigene Kind ab und zu mal etwas flunkert, um sich einen Vorteil zu verschaffen oder aus anderen Gründen, wird noch nicht von einem Problemkind gesprochen. Erst wenn andere auffällige Verhaltensweisen dazu kommen und das Kind immer häufiger lügt, sollten Eltern anfangen etwas genauer hinzuschauen und nach den Gründen zu suchen. Vielleicht wünscht sich das Kind mehr Aufmerksamkeit. Vielleicht lügen die Eltern häufig, indem sie zum Beispiel sagen: „Das sagen wir Mama aber nicht“ oder ähnliches. In allen Bereichen sind die Eltern die Vorbilder für das Kind und wenn die Eltern häufig lügen, färbt sich das natürlich auch auf die Kinder ab. Daher kann es ratsam sein, wenn die Eltern auch ihr eigenes Verhalten hinterfragen.

 

Mein Kind lügt: Was können Eltern tun?

Mit Vorwürfen oder striktem Ignorieren kommen Eltern bei einem Problemkind nicht weiter, da sich viele Kinder zunächst gar nicht bewusst darüber sind, welche Strategien hinter ihrem Verhalten stecken. Viel effektiver ist es wenn Eltern das Gespräch mit ihrem Kind suchen und sehr viel Verständnis aufbringen. Wichtig ist die Ursache herauszufinden, damit diese behoben werden kann. Wie bereits kurz erwähnt, ist dabei nicht nur wichtig sich das Umfeld in Schule oder Kindergarten anzuschauen, ob dort eventuell Probleme aufgetreten sind, die zu diesem Verhaltensauffälligkeiten geführt haben sondern auch das eigene Verhalten. Ist die Erziehung vielleicht zu streng? Wurden dem Kind zu viele Pflichten auferlegt, denen es noch nicht gerecht werden kann? Des Weiteren sollten Eltern in der Situation, in der das Kind versucht eine Lüge aufzutischen, nicht mit Kontrolle oder Ablehnung reagieren sondern ruhig und gelassen bleiben. Es macht aber durchaus Sinn das Kind auf die Lüge hinzuweisen und dass das nicht in Ordnung ist. Mit Bestrafungen und Schimpftiraden erreichen Eltern nur das Gegenteil. Es gibt aber durchaus Fälle in denen sich die Fronten zwischen Eltern und Kind so stark verhärtet haben und das Vertrauen durch immer wieder neue Lüge komplett zerstört wurde, dass Unterstützung von außen Sinn macht. Die erste Anlaufstelle sollte hier eine sogenannte Erziehungsberatung sein. Die Beratung kann in besonders schwierigen Fällen weiterhelfen, wenn Eltern die Probleme nicht mehr alleine lösen können.

 

Typische Verhaltensauffälligkeiten in den verschiedenen Lebensphasen

Je nach der jeweiligen Entwicklungsstufe treten bei Problemkindern verschiedene Probleme auf. In den ersten Lebensmonaten gestaltet sich die Ursachenforschung noch recht einfach, mit zunehmendem Alter kann dies aber schwieriger werden.

Kindergartenkinder:

Die Eingewöhnungsphase in den Kindergarten mit neuen sozialen Kontakten und neuer Umgebung fällt einigen Kindern schwer. Schwierig wird es wenn dadurch ernstzunehmende Verhaltensauffälligkeiten entstehen wie:

  • Aggressivität, Hyperaktivität
  • apathisches Verhalten
  • sozialer Rückzug
  • das Kind sich absondert und nicht spricht

Was tun?

Das Gespräch mit dem Kind suchen und den Erziehern im Kindergarten. Viel Verständnis und Liebe aufbringen, um die Probleme gemeinsam mit dem Kind zu lösen.

Schulkinder:

Die neuen schulischen Anforderungen, die neue Umgebung und die neuen soziale Kontakte können ebenfalls zu Verhaltensauffälligkeiten führen, die sich wie folgt bemerkbar machen können:

  • Lese- und Rechtschreibschwäche
  • Rechenschwäche
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Legasthenie
  • Hyperaktivität
  • Aggressivität

Was tun?

Bei einer Lese- und Rechtschreibschwäche sowie bei einer Rechenschwäche sind entsprechende Therapeuten, wie Logopäden, zu empfehlen. Wichtig sind in dem Fall eine ruhige Lernatmosphäre und die stetige Unterstützung der Eltern beim Lernen sowie ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, gesunder Ernährung und ausreichend Schlaf.

Jugendliche

Die Pubertät ist eh schon ein sehr schwieriges Alter. Trotzdem können starke Verhaltensauffälligkeiten auftreten, die der Behandlung dienen. Dazu können folgende gehören:

  • selbstzerstörerisches Verhalten
  • Essstörungen
  • Depressionen
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch

Was tun?

Je nachdem um welche Art von Problem es sich in dieser schwierigen Phase handelt, variiert natürlich auch der Lösungsansatz. Eltern sollten wie bei jeder Art von Problem mit dem Kind das Gespräch suchen, viel Geduld aufbringen und wenn nötig auch eine Drogenberatungsstelle aufsuchen oder therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Sogenannte Problemkinder benötigen besonders intensive Betreuung.

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