Urban Gardening: Tipps für den kleinen Garten in der Stadt

Auch Großstädter wollen ihre eigenen Kräuter ziehen und sogar Obst und Gemüse anpflanzen. Dass dafür kein großer eigener Garten notwendig ist, zeigen bereits viele Projekte auf Balkonen, Dachterrassen und Hinterhöfen.

Motive für Urban Gardening

Urbanen Gartenbau gab es bereits im 19. Jahrhundert. Damals baute man in einigen Stadtvierteln gezielt Obst und Gemüse an, um lange Transportwege vom Land zu vermeiden. Auch heute ist für viele Hobbygärtner in der Stadt genau dieses Thema wieder relevant. Denn mit Blick auf die Klimakrise möchten viele möglichst regional Ihr Obst und Gemüse beziehen und regionaler als der eigene Balkon geht es eigentlich nicht!

Doch das muss nicht der einzige Grund sein, aus dem Tomaten, Chilis und Rosmarin plötzlich inmitten riesiger Häuserschluchten angebaut werden. Auch die Lust am Buddeln, Einpflanzen, Gießen und Ernten spielt eine Rolle. Für manche Menschen ist das Gärtnern einfach ein tolles Hobby, bei dem am Ende sogar noch etwas Leckeres auf den Teller kommt. Darüber hinaus ist Urban Gardening für jeden geeignet. Singles, Paare und Familien können sich gleichermaßen daran versuchen. Damit der urbane Gartenbau auch funktioniert, sollten aber ein paar Dinge beachtet werden!

Die richtige Fläche finden

Urban Gardening kann zum Beispiel auf öffentlichen Flächen stattfinden. Dafür ist aber unbedingt die Erlaubnis des Grünflächenamtes einzuholen. Diese wird längst nicht immer erteilt. Die Wahrscheinlichkeit auf eine Erlaubnis erhöht sich, wenn ein überzeugendes Konzept vorgelegt werden kann. Außerdem sollte der Behörde glaubhaft versichert werden, dass die Beete regelmäßig betreut werden. Am besten klappt ein solches Vorhaben in der Gruppe! Das ist auch für die Kinder toll, die dann gemeinsam mit den Spielkameraden graben können.

Wenn keine öffentliche Fläche gefunden werden kann, besteht die Möglichkeit, auf dem eigenen Balkon oder der Terrasse zu gärtnern. Eine ganze Reihe von Pflanzen lassen sich nämlich auch ganz hervorragend in Töpfen großziehen. Allerdings sollte hierbei unbedingt beachtet werden, dass keine Gefährdung für Nachbarn oder Passanten entsteht. Die Töpfe und Kübel müssen also entsprechend gesichert werden. 

Platzsparende Lösungen für das Anlegen von Beeten

Beim Urban Gardening kommt es darauf an, den wenigen vorhandenen Platz so intelligent wie möglich zu nutzen. Das funktioniert vor allem, indem in die Höhe bestmöglich ausgenutzt wird. Möglichkeiten gibt es viele. Dazu gehören zum Beispiel diese:

  • Vertikale Gärten
  • Blumenampeln
  • Blumenkästen zum Aufhängen
  • Regale
  • Hochbeet

Der vertikale Garten

Wie der Name verrät, wächst dieser Garten senkrecht nach oben. Benötigt werden eine Wand und ein paar Blumentöpfe, die einfach daran befestigt werden. Auch an Trennwänden von Balkonen lassen sich solche vertikalen Lösungen oft montieren. Diese Lösung ist nicht nur enorm platzsparend, sie sieht auch noch richtig dekorativ aus. Darüber hinaus ist der vertikale Garten eine rückenschonende Variante.

Blumenampeln

Sie baumeln in der Luft und nehmen so überhaupt keine Bodenfläche weg. Sie zu befestigen kann manchmal etwas heikel sein. Mit etwas Glück lässt sich eine Blumenampel einfach weit oben am Balkongerüst einhängen. Doch auch Haken an der Wand sind eine Möglichkeit. Bei Mietwohnungen sollte das aber unbedingt mit dem Vermieter abgesprochen werden. Außerdem ist auch bei Blumenampeln die Sicherheit von außenstehenden Personen unbedingt zu beachten.

Blumenkästen zum Aufhängen

Für den Balkon gibt es spezielle Blumenkästen, die sich an der Brüstung einhängen lassen. So bleibt die Grundfläche des Balkons erhalten und kann weiterhin für eine gemütliche Sitzecke genutzt werden.

Regale

Regale bieten sich hervorragend an, um sie mit zahlreichen Blumenkübeln zu bestücken. Sie lassen sich auf dem Balkon oder der Terrasse direkt an der Hauswand aufstellen. Es gibt sogar spezielle Blumenregale, die nach oben hin immer schmaler werden, sodass alle Pflanzen darauf ausreichend Licht abbekommen.

Hochbeet

Ein Hochbeet anzulegen, macht dann Sinn, wenn eine öffentliche Fläche zur Verfügung steht. Doch auch in einem Hinterhof besteht unter Umständen die Möglichkeit dazu. Das Hochbeet ist nicht unbedingt eine besonders platzsparende Lösung. Allerdings erlaubt es, einen nährstoffreichen Boden mitten in der Stadt zu realisieren. Denn es lässt sich mit der passenden Erde befüllen und bei Bedarf düngen. Wenn Kinder mitgärtnern, sollte es nicht zu hoch sein!

Die richtigen Pflanzen ziehen

Zu guter Letzt kommt es beim Urban Gardening darauf an, Pflanzen anzubauen, die auch wirklich gedeihen können. Sie sollten also passend zum Standort ausgewählt werden. Tomaten lieben es zum Beispiel sonnig und windgeschützt, während Erbsen und Bohnen auch gut im Halbschatten wachsen. Wenn es also einfach nicht mit dem Gärtnern klappen will, sollte gezielt nach Pflanzen gesucht werden, die für den Standort geeignet sind. Außerdem sollte stets die passende Erde für die jeweilige Gemüsesorte oder Kräuterart genutzt werden.

Gärtnern mit Kindern in der Stadt

Kinder können beim gemeinsamen Gärtnern viel erleben und entdecken. Es ist eine Bereicherung für Kinder und Eltern zugleich. Kinder entdecken die Welt mit ihren eigenen Händen und lernen, achtsam mit der Natur und mit der Umwelt umzugehen. Sie können ungehemmt im Wasser planschen, im Sand stochern oder in der Erde buddeln. Gärtnern fördert die Kreativität und die Beobachtungsgabe der Kleinen, wenn sie neue Dinge ausprobieren oder Tiere beobachten können. Sie schärfen spielerisch ihr Bewusstsein für sich selbst und für die Umwelt.

Mit Kindern beim Urban Gardening auch in der Stadt gärtnern
Mit Kindern beim Urban Gardening auch in der Stadt gärtnern

Gartengestaltung mit Kindern bedeutet auch ausprobieren. Kinder können das frische, selbstgezogene Obst und Gemüse probieren und werden ganz nebenbei für eine gesunde Ernährung sensibilisiert. Selbst kleine Gemüsemuffel essen auf einmal die Möhren aus dem eigenen Garten gern. Das Beste: Es ist auch in der Großstadt möglich und nennt sich Urban Gardening.

Woher kommt der Urban Gardening Trend?

Kein Platz für das Gärtnern, da nur eine Stadtwohnung vorhanden ist, gilt nicht als Ausrede. Urban Gardening macht Gärtnern auch auf engem Raum möglich. Es ist das Gärtnern in der Stadt, bei dem sich Stadtmenschen etwas aus der Natur in die Großstadt holen und sie damit beleben. Brachflächen können für den Anbau von Gemüse oder für Kräutergärten und Blumen genutzt werden. Urban Gardening ist zu Hause auf Balkon oder Terrasse, aber auch in Gemeinschaftsgärten zusammen mit anderen Naturbegeisterten möglich. Hobbygärtner oder Vereine legen solche Gemeinschaftsgärten oft als grüne Institutionen auf brach liegenden Geländeflächen an.

Ein Gemeinschaftsgarten ist anders organisiert, doch geht es darum, gemeinsame Erfahrungen in der Natur und beim Gärtnern zu sammeln. Jung und Alt kann gemeinsam gärtnern. Der Nachwuchs lässt sich wunderbar in die Gruppe und in die Gartenwelt integrieren – egal, ob es dabei um ein Hochbeet bepflanzen, Unkraut jäten oder einfach gemeinsame tolle Momente erleben geht.

Urban Gardening in verschiedenen Städten

In verschiedenen Städten ist Urban Gardening möglich. Jeder kann in jeder beliebigen Stadt zu Hause Urban Gardening betreiben. Das gelingt sogar in der Küche, auf der Fensterbank. In einigen Städten gibt es auch verschiedene Projekte.

Berlin

Projekte zum Thema Garten gibt es in Berlin in verschiedenen Stadtteilen. Das „Himmelbeet“ im Wedding und die „Prinzessinnengärten“ in Kreuzberg sind am bekanntesten. Gemeinsam tauschen sich Gartenbegeisterte aus und legen Nutzgärten an. Wer ein Stück Natur genießen will, kann Gemüse anbauen oder einfach entspannen.

München

Zu den bekanntesten Urban Gardening Projekten in der bayerischen Landeshauptstadt zählt der „Grünstreifen“. Es geht hier vor allem um den interkulturellen Austausch der Gärtner. Regelmäßig finden Vorträge, Workshops und andere Events zu gesunden Lebensmitteln und zum bewussten Umgang mit der Natur statt.

Hamburg

Zu den größten und bekanntesten Urban-Gardening-Projekten zählt das „Gartendeck“ in Hamburg. Es befindet sich im Hamburger Szeneviertel St. Pauli. Studenten, Familien und Hobbygärtner treffen sich, um gemeinsam zu gärtnern. Der „Fuhlsgarden“ befindet sich im Stadtteil Barbek. Dieser ökologische Gemeinschaftsgarten wurde in Kooperation mit der örtlichen Kita angelegt. An jedem Sonntag können Interessierte mitmachen.

Das gemeinsame Gärtnern mit der Familie eröffnet Lernumfelder völlig frei von Druck und Zwängen. Es macht Spaß, gemeinsam zu gärtnern und die Natur zu erkunden. Das Gärtnern ist eine schöne Alternative zum digital geleiteten Leben. Es bietet ein lockeres Lernumfeld, das Kinder mit ihrem eigenen Tempo auf natürliche Weise erschließen können. Viele weitere Tipps und Informationen zum Thema gibt es in unserem „Ratgeber Haus und Garten“.

© Foto von Jon Tyson auf Unsplash, romrodinka/123RF

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